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Ölkäfer: ein blau schwarz schillernder Maiwurm mit dickem Hinterteil

Im Frühling stehen die Chancen gut, dass Du im Garten auf den blauschwarzen Ölkäfer triffst. Das relativ große und mehrere Zentimeter lange Insekt ist ein echter Brummer und sehr auffällig. Salopp gesagt, der schillernde Käfer mit dicken Hinterteil, der auch als Maiwurm bekannt ist, ist nicht zu übersehen. Doch Vorsicht, spielen solltest Du mit ihm nicht. Der 6-beinige Gartenbewohner ist giftig! Doch lass mich ein bisschen mehr über ihn erzählen.

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Ölkäfer Weibchen mit dicken Hinterlaib krabbelt auf einem Pflasterstein herum.

Entdeckt

Da habe ich nicht schlecht gestaunt, als mir beim letzten Besuch bei meinen Eltern plötzlich dieses Insekt über den Weg lief. Ich wollte gerade ins Auto einsteigen und da war es. Ein schwarzer, glänzender, herumwuselnder Fleck auf der gepflasterten Einfahrt erregte mein Interesse. Das kann doch fast nicht sein, sagte ich zu meinem Mann, aber ich glaube, hier hat sich jetzt doch tatsächlich Ölkäfer breit gemacht. Diese Entdeckung musste ich natürlich sogleich fotografisch festhalten.

Wenn ich mich zurück erinnere, dann möchte ich behaupten, dass es diese Tiere definitiv nicht im Garten gab als ich ein Kind war. Die klimatischen Bedingungen waren einfach andere als heute. Es war nicht so trocken wie jetzt. Nun ist wohl Obacht geboten beim Gärtnern. Arbeiten ohne Handschuhe sollte vermieden werden und auch den Kindern haben wir erklärt, dass sie aufpassen müssen. Denn das Tierchen war natürlich kein Einzelgänger.

Wer oder was ist der Ölkäfer?

Bei ihm handelt es sich um ein etwa 5 cm langes, fingerdickes, schwarzes Tierchen (ausgehend von meinen Fingern) mit schillernden, blauen Reflexionen. Diese sind vor allem deutlich bei Sonnenschein zu erkennen. Die Flügel sind bei den meisten Arten sichtbar verkürzt. Dies hat zur Folge, dass sie flugunfähig sind. Aber dafür sind sie umso bessere Läufer. Auch mein Forschungsobjekt im Garten meiner Eltern war sehr flott per pedes (zu Fuß) unterwegs. Wenn man ihn allerdings mit einer Schaufel leicht anstupst, rennt er nicht blitzschnell davon, sondern stellt sich tot. Ich habe den Test gemacht.

Der Ölkäfer sondert bei Gefahr eine giftige Flüssigkeit ab. Hier krabbet er durch das trockene Gras.

Der bei uns am Häufigsten vorkommende Vertreter dieser Art ist der schwarzblaue Ölkäfer, welchen Du auch hier auf den Bildern sehen kannst. Die Familie der Meloidae, zu welchen er gehört, ist laut Wikipedia mit 37 Arten in Mitteleuropa vertreten. Sie alle sind giftig.

In diesem kurzen Video kannst Du ihn ein wenig in Aktion beobachten:

Charakteristisch für diese Tiere ist, dass sie bei Gefahr eine ölige Substanz, das Cantharidin über Poren und Gelenke absondern. Auf diese Eigenschaft ist auch ihr Name zurückzuführen. 

Ein erwachsener Käfer enthält dabei so viel Gift, um einen Menschen zu töten. Das sagt zumindest, laut Wikipedia, die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Der deutsche NABU sieht es gelassener und führt auf seiner Seite an, dass keine tödlich verlaufenden Vergiftungen bei Menschen und Tieren bekannt seien. Experimente würde ich mit diesem Getier trotzdem keine wagen. Denn nach unterschiedlichen Quellen kann das Gift unter anderem Nierenversagen auslösen.

Generell gilt, Berührungen sollten tunlichst vermieden werden. Denn das Sekret reizt die Haut und führt zur Blasenbildung. Darauf ist auch eine weitere Bezeichnung für ihn, nämlich Blasenkäfer, zurückzuführen. Ein weiterer Name ist zudem Pflasterkäfer. Wovon diese allerdings herrührt, konnte ich nicht herausfinden.

Ein schlanker Pflasterkäfer. Entweder handelt es sich um ein Männchen oder um ein Weibchen, das gerade keine Eier trägt.
Männchen oder Weibchen ohne Eier mit schlankem Hinterteil

Welchen Lebensraum bevorzugen diese Insekten?

Die Ölkäfer lieben, laut Wikipedia, trockene Hänge, Laubwälder sowie versteppte Wiesen. Kein Wunder, dass sie sich im steirischen Garten so wohl fühlen. Denn in den letzten Jahren gab es dort immer weniger Niederschlag und die in der prallen Sonne gelegenen Kuppen wurden zunehmend trockener. Sie teilen sich nun den Lebensraum mit zirpenden Feldgrillen. Hier im salzburgischen Moorboden habe ich sie bislang noch nicht entdeckt. Ein wenig froh bin ich darüber schon, denn dann muss ich mir weniger Sorgen machen, wenn die Kinder im Garten spielen.

Besonders aktiv bei Sonnenschein

Das erste Insekt habe ich an einem sonnigen Vormittag mitten auf der gepflasterten Einfahrt entdeckt. Ich hatte grundsätzlich den Eindruck, dass der Ölkäfer bei viel Sonnenschein am Aktivsten war. Denn auch der Rest der Sippe, welcher gleich nahe der Steinstiege anzutreffen war, genoss die Wärme und war bei einbrechender Dämmerung rasch verschwunden.

Besonders beliebt schienen auch die Übergänge zwischen Asphalt und Wiese zu sein. Dort ist die Erde nämlich schön locker, ja fast schon sandig.

Dicke und dünne Exemplare

Auffällig ist, ein und denselben Käfer gibt es auf den ersten Blick einmal in dick und einmal in dünn. Aber für den Unterschied gibt es eine einfache Erklärung. Der besonders auffällige, dicke Hinterleib gehört den Weibchen. Im Frühling sind sehr leicht daran zu erkennen. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich darin zahlreiche Eier. Genau genommen sind es mehrere 1000.

Der blauschwarze Ölkäfer ist besonders auffällig, da er im Sonnenlicht wunderschön schillerd.
Hier sind die schillernden Reflexionen deutlich zu erkennen.

Eine gefährdete Art

Obwohl die Insekten zwar viele Eier legen, stehen sie auf der Liste der gefährdeten Tierarten. Grund dafür ist ihre komplizierte Entwicklung. Der Käfer erreicht das adulte Stadium nur, wenn seine Larven, die auf Blüten leben, als blinde Passagiere von bestimmten Wildbienenarten in deren Nester gebracht werden. Dort fressen sie zuerst die Gelege dieser Bienen und anschließend die Vorräte. Den Winter über verbringen sie im Boden und schlüpfen im kommenden Frühling als fertiger Ölkäfer. Und der Lebenskreis beginnt von vorne.

Die Lebensspanne des Insekts ist allerdings recht kurz. Nach etwa einem Monat fröhlichen Daseins ist Schluss. Es stirbt. Seine wichtigste Aufgabe war es, für den Fortbestand zu sorgen.

Ein Schädling im Garten?

Zwar ernährt sich der Käfer von verschiedenen Frühblühern, aber er gilt gemeinhin nicht als Schädling, wie zum Beispiel die aus Japan eingeschleppte Kirschessigfliege oder der extrem lästige Dickmaulrüssler. Bei meinen Recherchen zu diesem Artikel konnte ich jedenfalls keine einschlägigen Berichte finden. Auch im Garten wären mir keine Schäden aufgefallen, die eindeutig auf dieses Krabbeltier zurückgehen würden. Aus diesem Grund ist jedenfalls keine Bekämpfung notwendig.

Zusammenfassung

Der schwarzblaue Ölkäfer ist besonders im April und Mai interessant zu beobachten, wenn auch mit ausreichend Abstand. Er gehört zu den wenigen wirklich giftigen Tieren in Mitteleuropa und dies sollte nicht verharmlost werden. Denn ob ein Gift im Einzelfall nun tödlich ist oder nicht, hängt auch vielfach von der körperlichen Konstitution und Vorerkrankungen der betroffenen Person ab. 

Hast Du dieses Insekt auch schon in Deinem Garten entdeckt? Wie hast Du reagiert? 

Ich habe den Kindern jedenfalls eingeschärft, dass dieser Käfer auf keinen Fall angefasst wird!

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Bis bald und baba,
Kathrin

Autor: Kathrin | Topfgartenwelt

Profilbild Kathrin für Blog Topfgartenwelt

Ich bin passionierte Hobby-Bäckerin, Marmeladen-Köchin und Entwicklerin von gelingsicheren Eis-Rezepten. Die Rezeptentwicklung für Süßspeisen aller Art sowie für Gebäck und Pasta habe ich mir eigenständig mit Hilfe einschlägiger Fachliteratur beigebracht. Inzwischen habe ich darin bereits mehr als 5 Jahre Erfahrung. Familie, Freunde sowie Leser meines Blogs sind von meinen Kreationen begeistert. Darüber hinaus bin ich Gärtnerin aus Leidenschaft. Inzwischen betreue ich nun schon seit mehr als 10 Jahren erfolgreich meinen eigenen Garten. Gemeinsam mit meiner Familie erkunde ich in meiner Freizeit das Salzburger Land. Manchmal zieht es mich über die Grenzen von Österreich hinaus. Hier gibt es mehr über mich.

5 Kommentare zu „Ölkäfer: ein blau schwarz schillernder Maiwurm mit dickem Hinterteil“

  1. Ein äußerst interessanter Artikel, da ich von dieser Art noch nie etwas gehört habe aber gut zu wissen, dass so etwas im Garten herumkrabbelt. Danke für diese ausführliche Info.

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  2. Hallo Kathrin,
    das ist so eines der Tierchen, bei denen ich sehr zwiegespalten bin. Einerseits die gefährdete Art, andererseits das Gift. Ich gehöre zu den Leuten, die unter Garantie jede verloren gegangene Reißzwecke barfuß finden. Also werde ich den Ölkäfer vermutlich in meinem Garten ohne Handschuhe entdecken. Warten wir ab, wann das der Fall sein wird.
    Viele Grüße
    Claudia

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