Blaue Kartoffeln anbauen ist echt ein Highlight im Garten, welches Du nicht auslassen solltest. Lila Erdäpfel sehen nämlich nicht nur gut aus und schmecken herrlich, sondern sind auch richtig gesund. Die bekannteste Sorte ist wohl die Vitelotte, eine wahre Delikatesse. Sie ist in Anbau und Ernte zwar nicht schwierig zu handhaben, aber dennoch ist die Trüffelkartoffel etwas Speziell. Aber wusstest Du überhaupt, dass es noch einige andere Sorten in dieser speziellen Farbe zu entdecken gibt? Wenn nicht, dann bist Du hier genau richtig. Es ist nämlich wirklich unglaublich, wie groß die Vielfalt hier ist. Am Besten, wir gehen gemeinsam auf Entdeckungstour.
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Blaue Kartoffeln anbauen
Als ich vor einigen Jahren damit begonnen habe unterschiedliche Kartoffelsorten anzubauen, war es die größte Schwierigkeit das passende Saatgut aufzutreiben. Da es weder im Gartencenter noch am größten Grazer Wochenmarkt nicht zu bekommen war, habe ich mir einige Stück spezieller Sorten als “Pflanzkartoffeln” am Naschmarkt in Wien gekauft. Inzwischen leben wir ja in Salzburg und auf der Schranne gibt es diesbezüglich ein wesentlich größeres Angebot. Auch haben inzwischen die Gartencenter und Pflanzbörsen aufgerüstet und bieten auch ausgefallene Varianten an, unter anderem die Sorte Mayan Twilight.
Wenn Du nicht so viel Zeit für die Suche nach Pflanzkartoffeln aufwenden willst, kannst Du die Vitelotte auch im Internet bestellen. Allerdings ist es selbst im weltweiten Netz nicht immer einfach, einen guten Händler zu finden. Jedenfalls sollte es sich um einen Anbieter handeln, wo man sich sicher sein kann, dass man auch wirklich die gewünschte Sorte in entsprechender Qualität bekommt.
Warum die Vitelotte?
Ganz einfach, weil sie optisch und geschmacklich etwas ganz Besonderes ist. Sie ist nicht nur die bekannteste Vertreterin der blauen Kartoffeln, sondern es handelt sich hierbei auch eine Ursorte, die vermutlich aus Peru stammt. Heute ist sie auch als Vitelotte noire oder blaue französische Trüffelkartoffel bekannt. Erstmals wurde diese Sorte im 19. Jahrhundert in Frankreich erwähnt.
Anbau
Wie fast alle meine Gemüsepflanzen baue ich die Kartoffeln im Topf. Die einzelnen Knollen, welche jede Form zwischen oval und rundlich annehmen können, sind bei hier überwiegend recht klein. Daher sollte man pro Topf mit vier bis fünf Knollen rechnen.
Generell sollte die Pflanzung erst nach den Eisheiligen (sprich nach dem 15. Mai) gelegt werden! Der Grund dafür sind die Kälteperioden, die bis Mitte Mai in Mitteleuropa noch möglich sind. Kälte und blaue Kartoffeln passen einfach nicht zusammen. Das Laub wird schon bei Temperaturen um die 0°C geschädigt. Auch die Knollen, sofern sie zu nah an der Erdoberfläche liegen, können bereits durch leichten Frost kaputt gehen oder stark beeinträchtigt werden. Sollte man doch einmal von Spätfrösten überrascht werden, kann man versuchen die Pflanzen mittels Vlies zu schützen.
Wohnst Du jedoch in einer Gegend mit sehr mildem Klima, wo Mitte Mai kein Frost mehr zu erwarten ist, spricht natürlich nichts dagegen mit dem Anbau schon früher zu beginnen. Grundsätzlich können Erdäpfel ab Mitte April im Garten gelegt werden. Ob Du das Risiko eingehen willst, obliegt allerdings Dir selbst.
Entwicklung und Wachstum
Die Trüffelkartoffel als auch einige andere blaue Sorten wachsen den Sommer über sehr dekorativ im Gemüsebeet und heben sich optisch von anderen Pflanzen aufgrund ihrer bläulichen Stängel ab. Aber falls Du jetzt auch auf farbige Blüten gehofft hast, muss ich Dich leider enttäuschen. Die Vitelotte überrascht mit zahlreichen kleinen, weißen Blüten. Wenn Du blaue Farbtupfer im Garten haben möchtest, dann musst Du auf andere Sorten ausweichen. Aber dazu später mehr.
Meiner Erfahrung nach ist die Vitelotte eine sehr robuste Kartoffel. Denn bislang hatte ich mit ihr kaum Probleme mit Pilzerkrankungen. Dies obwohl im Sommer die Witterungsverhältnisse schon oft sehr mau waren. Selbst wenn es übermäßig viel regnete, erwies sie sich als sehr widerstangsfähig gegenüber der gefürchteten Kraut- und Braunfäule. Diese kann zwar im Notfall mit einem Fungizid bekämpft werden kann, aber die Erfolgschancen sind oft überschaubar.
Das ist zwar meine subjektive Einschätzung, aber bislang befiel dieser Pilz noch nie die blauen Trüffelkartoffeln. Und ich denke, die Wetterverhältnisse in Salzburg (oftmals Regen und Kälteeinbrüche) können schon als guter Stresstest für Pflanzen herangezogen werden.
Ist der Sommer allerdings sehr heiß muss man darauf achten, dass die Pflanzen auch an heißen Tagen mit ausreichend Feuchtigkeit (z.B. Bewässerungssystem) versorgt werden. Andernfalls fällt der Ertrag noch geringer aus.
Ernte
Laut meinen Recherchen handelt es sich bei der Vitelotte um eine späte Kartoffelsorte . Dies bedeutet, die Ernte ist frühestens ab Ende August oder Mitte September möglich. Vielfach verschiebt sie sich sogar in den Oktober hinein. Ich konnte sie in den letzten Jahren meistens nicht vor Ende September ernten. In erster Linie hängt der Erntezeitpunkt natürlich von der Witterung ab. Ist es vorwiegend sonnig und warm, ist sie früher reif als bei nasskalten Wetter. Langanhaltendes nasskaltes Wetter ist aber generell ein Problem. Es verzögert nicht nur die Ernte, sondern kann selbst bei der robustesten Kartoffelsorte Krankheiten begünstigen. Zudem kann ein durchwegs feuchter Boden dazu führen, dass die Knollen bereits vor der Ernte verschimmeln.
Der Erntezeitpunkt kündigt sich mit dem Absterben des Kartoffellaubs an. Setzt dieser Prozess ein, sollten die Pflanzen nicht mehr zusätzlich gegossen werden. Hat man die Vitelotte, so wie ich, im Topf oder Pflanzsack angebaut, sollte man diese nun regengeschützt aufstellen, um das Verfaulen der reifen Kartoffelknollen zu verhindern. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn man nicht plant alles auf einmal zu auszugraben.
Ist eine geringe Ernte normal?
Ja, leider! Darum ist die Vitelotte auch im Verhältnis zu anderen Kartoffelsorten um einiges teurer, denn der Ertrag ist bei ihr nicht so hoch ist, wie bei den heutigen, modernen Züchtungen. Zudem muss die Ernte vielfach händisch erfolgen, weil die Fruchtkörper nicht so groß sind. Daher findet man sie eher in Delikatessengeschäften oder am Wochenmarkt.
Wie schmeckt sie und wie verhält sie sich in der Küche?
Der Lohn für die Mühe ist aber ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis. Vielfach kann man lesen, dass die Vitelotte nach Esskastanien schmeckt. Ich persönlich würde eher sagen, sie hat einen unvergleichbaren nussig-erdigen Geschmack. Zudem gibt sie auch optisch in der Küche einiges her. Allein schon ihre tief schwarz-blaue Schale ist ein Hingucker und dann überrascht sie auch noch mit einem blau-weiß marmorierten Fruchtfleisch. Kocht man diese sehr stärkehaltige Kartoffel, verfärbt sich das Wasser grün, aber sie selbst behält ihre Farbe. Innen wird die Färbung sogar noch intensiver und erscheint dann in einem kräftigen Lila. Mein Sohn ist davon jedes Mal auf’s Neue begeistert.
Ebenso farbstabil ist die neue Sorte Blaue St. Galler. Sie ist ebenso wie die Trüffelkartoffel festkochend. Aus ihr lassen sich hervorragend Gerichte wie blaue Bratkartoffel zaubern.
Vitelotte schälen oder nicht?
Immer wieder taucht die Frage auf, ob man die Vitelotte schälen sollte oder nicht. Von mir gibt es diesbezüglich ein ganz klares Nein. Würde man das tun, ginge ein Großteil der Vitamine und des Geschmacks verloren. Sie sollte man, wenn möglich, mit Schale genießen. Einzig und allein muss man sie vor Verwendung in der Küche gründlich mit einer Gemüsebürste putzen.
Warum gibt es blaue Kartoffeln?
Die Färbung bei blauen Kartoffeln ist auf den hohen Anteil an Anthocyanen in der Schale als auch im Fruchtfleisch zurückzuführen. Laut Wikipedia stammt das Wort aus dem Griechischen und bedeutet nichts anderes als dunkelblaue bzw. dunkelfarbige “Blüte”. Heute versteht man unter Anthocyanen Pflanzenfarbstoffe. Diese gehören zur Gruppe der Flavonoiden und sind wasserlöslich. Weiters schreibt die Wikipedia, dass die sie drei Aufgaben erfüllen:
- Die Farbe soll das Sonnenlicht absorbieren und die Strahlungswärme an die Pflanze weitergeben, wodurch eine Schädigung der Zellen verhindert wird.
- Die Pflanze soll durch die Farbe attraktiv auf Insekten wirken.
- Es sollen freie Radikale gebunden werden.
Anthocyane gelten übrigens als sehr gesund, da ihnen eine antioxidative Wirkung nachgesagt wird. Laut neuesten Studien sollen sie sogar das Risiko für Typ 2 Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren.
Ein kleiner Sortenüberblick
Wie bereits erwähnt, gibt es neben der Vitelotte natürlich auch noch andere blaue Kartoffelsorten. Geläufig sind zum Beispiel die Sorten blaue Anneliese, blaue St. Galler oder blauer Schwede. Diese verfügen nicht nur über eine blaue Schale, sondern auch über ein blaues Fruchtfleisch. Lediglich blauschalige Sorten wären die Schwarzblaue aus dem Frankenwald, Odenwälder Blaue, Shetland Black oder Schwarze Ungarin. Allerdings handelt es sich hier weitgehend um historische Kartoffelsorten, die nur noch im kleinen Rahmen angebaut werden.
Blaue Anneliese
Bei der Blauen Anneliese handelt es sich um eine festkochende Kartoffelsorte, die ebenfalls spätreifend ist. Sie ist eine Neuzüchtung aus Deutschland, zugelassen seit 2007. Der Geschmack ähnelt der Vitelotte. Jedoch im Gegensatz dieser gilt sie als sehr ertragreich. Eine robuste Sorte mit weißen Blüten. Die Farbe bleibt beim Kochen erhalten, allerdings nur, wenn die Schale intakt ist.
Blaue St. Galler
Die Blaue St. Galler ist eine neue, mittelfrühe, nicht ganz festkochende, aber auch nicht wirklich mehlige Kartoffelsorte aus der Schweiz. Sie wurde 2006 für den Anbau freigegeben. Die auch beim Kochen farbstabile Blaue St. Galler hat einen guten Geschmack, welcher aber nicht so außergewöhnlich ist wie jener der Trüffelkartoffel. Hier ist eher nur die Farbe das Highlight.
Blauer Schwede
Wer nicht nur weiß blühende Kartoffelsorten im Garten haben möchte, muss zum Blauen Schweden greifen. Diese Sorte überrascht mit bläulichen Blüten, die wirklich ein außergewöhnlicher Anblick sind. Es handelt sich hier um eine alte Kartoffelsorte, die mittelfrüh reift und vorwiegend festkochend ist. Die Farbe bleibt beim Kochen zwar erhalten, aber verblasst ein wenig. Nach unterschiedlichen Quellen ist sie allerdings anfällig für den Kartoffelschorf. Der Ertrag ist gut.
Weitere blaue Sorten sind:
- Violeta: guter Ertrag, sofern keine Braun- und Krautfäule auftritt,
- Violet Queen: guter Geschmack, aber schlechte Ernte, da sehr krankheitsanfällig,
- Schwarzer Teufel: Hierbei handelt es sich um eine sehr intensiv farbige Urkartoffel, die geschmacklich der Trüffelkartoffel sehr ähnelt. Sie ist festkochend, ertragreich und soll angeblich feuchte Böden mögen.
Die Auswahl an diesen speziellen Sorten wäre eigentlich gar nicht so klein, doch leider sind sie so schwer im Handel zu finden. Schade eigentlich.
Viel Erfolg und gutes Gelingen beim Projekt blaue Kartoffeln anbauen im Garten!
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Bis bald und baba,
Kathrin
Hallo,
meine Violette wartet noch darauf, dass ich sie ausbuddel. Allerdings erwarte ich bei dieser Sorte auch keine großen Erträge.
Normalerweise sagt man Kartoffeln sind dann "reif" wenn das Kraut aufgestorben ist. Zur besseren Ausreifung der Schale und besseren Lagerfähigkeit sollte man dann aber noch ca. 14Tage mit der Ernte warten. Oder nur zum Direktverzehr ernten.
Habe nach dem Hauskauf im Winter in diesem Jahr zum ersten mal selber Kartoffeln angepflanzt (11 verschiedene Sorten). Bis jetzt bin ich von den Sorten Valfi und King Edward(>1000g/Pflanze) begeistert. Aber ich buddel mich noch Pflanze für Pflanze vorran. 🙂
Grüße Gabi
Hallo Kathrin,
warum hebst Du nicht eine Knolle auf für das nächste Jahr? Dann brauchst Du nicht danach zu suchen.
Ich mache das mit meinen Kartoffeln schon jahrelang so.
Viele Grüße
gartenfan
Hallo,
Hauptsache, sie haben geschmeckt!
Kartoffeln fuer Saat bewahrt man kuehl und dunkel auf. Vielleicht in einer Kiste im Keller oder so.
Viele Grüße
Dunkel, kühl und luftig. Soweit die Theorie 😉
Habe es auch noch nicht ausprobiert. Einen Versuch ist es jedoch Wert.
Wenn es nicht klappt, es gibt auch diverse Shops im Internet die Kartoffel-Kuriositäten verkaufen (meine elf Sorten habe ich als Mischung auch dorther). Sogar beim bekannten Autionshaus gibt es im Frühjar manchmal sowas zu bestellen.
Ich kenne bisher nur die Kartoffel ‘Blauer Schwede’ mit ähnlichen Eigenschaften. Die bekommt man tatsächlich eher im Bioladen bzw. bei einem bekannten Bigarten-Versand. Ansonsten mag ich total die Bamberger Hörnchen, eine lokale längliche Sorte, die sich super als Pellkartoffel oder Salatkartoffel eignet. Ich wollte sie auch schon mal anbauen, aber da man sie hier überall kaufen kann, hab ich mich doch lieber für mehr Tomaten im Beet entschieden…;-))
Der Naschmarkt in Wien….der ist wirklich ein Traum.
LG Sigrun
Liebe Sigrun, Babenberger Hörnchen habe ich auch schon öfters angepflanzt. Die Kartoffeln habe ich auf der Salzburger Schranne gekauft. Sie sind wirklich herrlich 🙂
LG Kathrin