Es passiert immer wieder: die Tomatenblüten fallen ab und es gibt keine Früchte zu ernten! Doch was ist der Grund dafür? Die Hauptursache dafür ist meist eine fehlende Bestäubung. Aber keine Sorge, für dieses Problem gibt es eine einfache Lösung. Paradeiser sind in erster Linie Windbestäuber, so dass bereits ein kleiner Trick zu einem größeren Ertrag führt. Alles was Du dazu brauchst, sind einfache Ventilatoren, ein paar Kabel, ein Solarmodul und natürlich meine Bauanleitung. In diesem Artikel erkläre ich Dir alle Details, also bleib dran!
Inhaltsverzeichnis
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Warum ist Wind so wichtig?
Tomaten sind, wie Paprika und Chili, Windbestäuber. Das bedeutet, neben Insekten kann auch schlicht und einfach der natürliche Luftzug zu einer erfolgreichen Befruchtung beitragen. Das ist ein kluger Schachzug, da die Vermehrung dann auch ohne Biene und Co funktioniert. Stehen aber die Pflanzen im Gewächshaus, kann es sehr leicht passieren, dass die Tomatenblüten abfallen, obwohl ausreichend Lüftungsöffnungen vorhanden sind, da die Luftbewegung im Inneren dennoch zu gering ist.
Weht vielleicht im späten Frühling und im Frühsommer noch öfter ein kräftiger Wind, der schön durchzieht, schläft dieser im Hochsommer, gerade an sehr heißen Tagen, oft vollkommen ein. Die Stauden stehen dann bewegungslos im Glashaus und die Misere nimmt ihren Lauf. Es bilden sich zwar zahlreiche Blüten, aber nicht mehr.
Nicht nur auf Insekten setzen
In mein Gewächshaus verirren sich wegen der Insektenschutzgitter an allen Öffnungen keine Bestäuber wie Bienen oder Hummeln. Leider geht es nicht anders, denn ohne diese Schutzvorrichtungen sind Schädlingen, wie der Gemüseeule Tür und Tor geöffnet. Der Schaden wäre dann noch größer als dies eine eingeschränkte Bestäubung je verursachen kann. Ich spreche hier wirklich aus Erfahrung, denn ein Befall der Pflanzen mit diesem Insekt ist eine Katastrophe.
Ventilatoren werden nicht müde – ein kurzes Video
Aus diesem Grund haben wir uns für Ventilatoren entschieden. Sie sorgen an sonnigen Tagen automatisch über mehrere Stunden für viel künstlichen Wind im Gewächshaus. Aufgrund der stetigen Luftbewegung wird der überwiegende Teil der Tomatenblüten bestäubt und fällt nicht mehr ab. Zudem erspare ich mir die viele Arbeit, die Blüten einzeln von Hand mit einem Pinsel zu befruchten. Ich habe das schon einmal versucht, aber irgendwie fehlt mir dazu einfach die Zeit und die Geduld.
Im nachfolgenden Video, zeige ich Dir, die Lüfter arbeiten:
Können auch Hitze und Kälte ein Grund für fehlende Fruchtbildung sein?
Ja, durchaus. Tomatenblüten fallen auch ab, wenn die Temperatur im Gewächshaus zu hoch oder zu niedrig wird. Ab anhaltenden 30°C bzw. unter 13°C werden die Blüten taub. Der Pollen ist dann entweder für eine Befruchtung zu klebrig oder seine Produktion wird gehemmt. Einen Hitzestau kannst Du aber mit folgenden Maßnahmen weitgehend vermeiden:
- Einbau eines Dachventilators mit Abzugfunktion – hier wird die heiße Luft konsequent nach draußen transportiert
- Anbringen von Schattiergewebe, um ein Aufheizen zu vermeiden
Welche Gründe gibt es noch für sterile Blüten?
Auch eine falsche Wasserversorgung oder zu viel Dünger können die Blüten- und Fruchtbildung negativ beeinflussen. Allerdings ist hier eher das Problem gegeben, dass sich durch die negativen Wachstumsbedingungen überhaupt nur sehr wenige bis gar keine Blüten bilden.
Bauanleitung für Solar-Ventilatoren
Neben dem Material ist alles was Du brauchst, ein bisschen technisches Know-How oder so wie ich, einen geschickten Ehemann, der meine Ideen immer wieder in die Tat umsetzt. Aber keine Sorge so schwierig ist das ganze Unterfangen nicht.
Aber eines vorweg, mit einem einzelnen Solar-Ventilator wirst Du nicht viel erreichen. Mein Glashaus ist klein, aber auf den Längsseiten dennoch zwei Meter lang. Darum habe ich vier Lüfter eingeplant, damit wirklich alle Stauden ausreichend bewegt werden. Außerdem habe ich darauf geachtet, dass diese höhenverstellbar sind. Denn die Pflanzen wachsen recht schnell, das macht rasch eine Nachjustierung notwendig.
Einkaufsliste
In Summe waren zwar nicht viele Teile notwendig, aber bei diesen haben wir auf eine gute Qualität geachtet. Am Ende haben wir folgende Komponenten verbaut:
- Photovoltaikzelle: Diese sollte zumindest 10 Watt Leistung (Gleichstrom / DC) mit 12 Volt Spannung bringen und wetterfest verarbeitet sein. Des Weiteren ist zu beachten, dass sie jedenfalls ein wenig mehr Leistung hat als vom Axialventilator aufgenommen werden kann. Im Fachhandel bekommt man ein solches Solarmodul bereits ab € 40, im Internet kannst Du sie bereits ab € 21 bestellen.
- Axialventilator für Geräte (einfacher PC-Fan / Lüfter): Beim Kauf muss man unbedingt darauf achten, dass er für den Dauerbetrieb geeignet ist. Zudem muss er ebenfalls auf maximal 12 Volt Spannung ausgelegt sein und mit Gleichstrom laufen. Unsere Fans haben lediglich eine maximale Stromaufnahme von 155 mA, so dass über das 10 Watt Solarpanel locker bis zu 4 Stück gleichzeitig betrieben werden können. Sie schaffen 1600 Umdrehungen pro Minute und eine maximale Luftumwälzung von 93,4 m3/h. Mit 30 dB sind sie zudem auch noch recht leise. Kurzum, sie sind eine gute Grundlage, um das Problem abfallender Tomatenblüten aus dem Weg zu räumen.
- einfaches, langes 2-poliges Kabel für 12 Volt Spannung: Damit man später nicht bei der Platzierung des Axialventilators eingeschränkt ist, sollte man das Kabel lang genug kaufen. Wir haben pro Solarpanel insgesamt 10 m Kabel verbaut.
- Schrumpfschlauch: Er wird benötigt, um die Kabelanschlüsse beim Lüfter abzudichten. Bei unserem Solarpanel war dies nicht notwendig, da es bereits mit einer wetterfesten Anschlussbox versehen war.
- Kabelklemmen: Diese sind notwendig, um das Kabel vom Ventilator mit dem 2 poligen Kabel zu verbinden.
- Des Weiteren brauchst Du noch:
- 4 Bambusstäbe
- ausreichend Kabelbinder
- Gewächshausclips
- S-Haken
- 14 m verzinkte Kette oder nach Bedarf mehr mit etwa einer Stärke von 2 mm
Wenn Du das alles besorgt hast, kann es eigentlich schon ans Basteln gehen. Je nach dem wie schnell Du arbeitest, ist die Bestäubung der Tomaten im Gewächshaus schon nach wenigen Stunden Arbeit sichergstellt und ein Abfallen der Blüten ist Schnee von gestern.
So baust alles zusammen
Die Anleitung für den Zusammenbau habe ich mit besten Wissen und Gewissen erstellt. Ich übernehme jedoch keine Haftung dafür, sollte bei Dir etwas schief gehen.
Schritt 1 – Kabel anschließen
Als erstes haben wir das 2-polige Kabel (je Lüfter 3 m) am Anschlusskabel des Axiallüfters (rotes: plus, schwarz minus) mit Hilfe von Kabelklemmen angebracht. Wenn Du keine Kabelklemmen verwendest und die Lietzen nur zusammengedreht werden, dann hält das leider nicht auf Dauer. Ich rate Dir deswegen, nicht auf sie zu verzichten. Alternativ kannst Du auch zum Lötkolben greifen. Dazu benötigst Du aber einen gutes Gerät und ein wenig Übung.
Schritt 2 – Schrumpfschlauch anbringen
Wenn die beiden Kabel miteinander verbunden sind, ziehst Du über die Verbindungsstelle ein Stück Schrumpfschlauch. Anschließend erwärmt Du diesen ganz sachte mit einem Heißluftfön, damit er sich zusammenzieht und die Verbindungsstelle gut umschließt. Damit sie wetterfest verpackt.
Schritt 3 – Anschluss am Solarpanel
Nun wird das andere Ende des 2-poligen Kabels am Solarpanel angeschlossen. Hier haben wir ganz besonders auf den gekennzeichten Plus- bzw. Minuspol geachtet. Tut man das nicht, dreht sich der Axialventilator später im Gewächshaus nicht. Beim Anklemmen des Kabels im wettergeschützten Gehäuse des Solarpanels gehst Du wie folgt vor:
- rotes Kabel am Pluspol,
- schwarzes Kabel am Minuspol anschließen.
Wenn man das Solarpanel mit 4 Lüftern auslasten möchte, schließt man die übrigen Ventilatoren entsprechend der obigen Anleitung in denselben Klemmen an. Allerdings ist in der Anschlussbox meist wenig Platz, so dass es geschickter ist, von dort ausgehend eine Verlängerung mit Hilfe eines 1 m langen Kabelstücks zu bauen und die Gebläse dort mittels einer Kabelklemme anzubinden.
Schritt 4 – Basteln der Aufhängung
Damit ich nicht alle Lüfter einzeln im Gewächshaus befestigen musste, habe ich sie in einem gleichmäßigen Abstand mit Hilfe von Kabelbindern jeweils zwischen zwei Bambusstangen fixiert. Es eignen sich dafür auch Rohrleitungen aus Plastik. Zuvor habe ich die Stangen natürlich auf die passende Länge abgeschnitten.
Schritt 5 – Ketten im Glashaus anbringen
Als nächstes haben wir im Gewächshaus die “Führungsschienen” montiert, damit die Ventilatoren später höhenverstellbar sind. Dafür haben wir jeweils zwei Meter lange Ketten ausgehend vom Giebel entlang der Seitenwände geführt und mit Hilfe von Gewächshausclips sowie Kabelbindern befestigt. Diese Konstruktion kann über den Winter auch an Ort und Stelle verbleiben und ist dadurch auch im kommenden Jahr sofort einsatzbereit.
Schritt 6 – Fertigstellung
Zum Schluss haben wir nur noch die Ketten an den Bambusstäben fixiert. Dafür haben wir ebenfalls Kabelbinder benutzt. Damit die Gebläse aber auch kleine Pflanzen erreichen, haben wir zusätzlich pro Seite eine 1,5 Meter lange Verlängerungskette angebracht. Mittels S-Haken lässt sich nun das Konstrukt auf der jeweils notwendigen Höhe anbringen und zusätzlich kann man den Abstand der Lüfter zu den Tomatenstauden regulieren.
So sieht es nun von außen aus:
Fazit
In meinem Gewächshaus sind nun insgesamt 8 PC-Lüfter zum Bestäuben der Tomaten im Einsatz, die sich automatisch bei Sonnenschein einschalten. Bislang machen sie ihre Arbeit wirklich gut. Denn aufgrund des künstlichen Windes wachsen diese jetzt nicht nur wesentlich kräftiger als zuvor, sondern auch das Mikroklima hat sich noch einmal verbessert. Kurzum konnten wir folgendes erreichen:
- Der bislang weitgehend fehlenden Fruchtbildung wurde erfolgreich entgegen gewirkt.
- Aufgrund der Höhenverstellbarkeit kommt es nun schon zügig zu Fruchtansätzen.
Fallen Deine Tomatenblüten noch ab? Dann ist es jetzt an der Zeit das zu ändern!
Gutes Gelingen beim Umsetzen der Bauanleitung für ein Solar-Ventilatoren System!
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Bis bald und baba,
Kathrin
Liebe Kathrin,
toll, dass sich das Problem so verhältnismäßig einfach beheben lässt. Bei uns wachsen die Tomaten glücklicherweise im Garten und nicht im Gewächshaus, deshalb kommen hier die Bienen und Hummeln ran.
Alles Liebe und happy weekend, Traude
https://rostrose.blogspot.com/2021/06/zwei-habsburger-schlosser-und-ihre-parks.html
Glücklicherweise? Verstehe ich jetzt nicht ganz. Ein Gewächshaus ist ja nichts Schlechtes. Zudem ist das Wetter in Salzburg nicht wirklich passend für Freilandtomaten. Wäre da nicht die Gemüseeule, hätten wir auch kein Insektenschutzgitter an den Fensteröffnungen.
LG Kathrin
Ich bestäube mit einer alten elektrischen Zahnbürste. Ohne Bürstchen durch Berühren mit dem Aufsteckteil lasse ich einige Blüten vibrieren. Etwa alle 2-3 Tage. Finde den Aufwand so nicht gross, beschert mir deutlich bessere Ernte.
Liebe Brigitt, vielen Dank für den super Tipp mit der Zahnbürste!
LG Kathrin